Entwicklung von Sensory Awareness

Elsa Gindler (1855-1961)
Elsa Gindler machte 1912 eine Ausbildung bei der Gymnastiklehrerin Hedwig Kallmeyer (1881-1976). Während einer Abwesenheit von Fr.Kallmeyer war sie anschließend auch in deren Ausbildungstinsitut tätig und gründete 1913  zusammen mit ihrer Kollegin Luise Bialonsky das "Institut für harmonische Gymnastik". Hedwig Kallmeyer war in Amerika bei Geneviève Stebbins ausgebildet.
Schon ab 1912 war Elsa Gindler in Deutschland und der Schweiz als Ausbilderin tätig und gründete 1925 zusammen mit anderen Gymnastiklehrern und -ausbildern den "Deutschen Gymnastikbund", deren Vorsitzende sie bis 1933 gewesen ist. Als sich der "Deutsche Gymnastikbund" für die Naziideologie öffnete, trennte sich Elsa Gindler von dem Verband. Während des 2.Weltkrieges hat Elsa Gindler in vielfacher Weise Verfolgten der Nazidiktatur geholfen. In Jerusalem, in der Gedenkstätte Yad Vashem für die Toten des Holocaust erinnern in der "Allee der Gerechten" kleine Schilder an Menschen, die Juden während der Nazidiktatur geholfen haben. Auf einem der Schilder wird auch Elsa Gindler genannt. Den 2. Weltkrieg verbrachte Elsa Gindler in Berlin, wo bei einem Angriif ein großer Teil ihrer Dokumentationen und Arbeitsunterlagen verbrannten.
Elsa Gindler stand in Verbindung zu den Atem- und Stimmpädagoginnen Klara Schlaffhorst (1863-1945) und Hedwig Andersen (1866-1957) und arbeitete ab 1924 eng mit dem Musikpädagogen Heinrich Jacoby (1889-1964) zusammen, mit dem sie eine enge Freundschaft verband. Auch mit der Kinderärztin Emmi Pikler (1902-1984) entstand ein enger Austausch. Emmy Pikler leitete von 1946-1979 in Budapest das staatliche methodologische Zentralinstitut für Säuglingsheime (heute: Pikler Institut) und  entwickelte  die Pikler-Pädagogik, die sich mit der Entwicklung von  Bewegung und freiem Spiel von Säuglingen und Kindern befasst. Die in Berlin über viele Jahre tätige Frieda Gotalewski war ebenfalls eine Schülerin von Elsa Gindler.
Ab 1950 begründete Elsa Gindler in Berlin mit ihrer Kollegin Sophie Ludwig erneut eine Einrichtung zur Weitergabe ihrer Arbeit in Berlin-Dahlem.
 
Charlotte Selver (1901-2003)
Charlotte Selver war von Beruf Musikpädagogin bevor sie  in den 20er Jahren bei Elsa Gindler ausgebildet wurde.  Dort lernte sie auch Heinrich Jacoby kennen. Nach ihrer Emigration in die USA (1938) entwickelte sie  ihren Ansatz von "Sensory Awareness". Sie wirkte international und gab Seminare und Study Groups vor allem in den USA, Mexiko und Europa. Sie war eine wichtige Pionierin der Körperpädagogik und Körperpsychotherapie und bereicherte als deren Vorläuferin die vom Buddhismus geprägte Bewegung des Achtsamkeitstrainings. Sie leistete wertvolle Beiträge im Rahmen des "Human Potential Movement", das u.a. in Esalen, dem bekannten kalifonischen Therapiezentrum, seinen Ausgang nahm, und in dem Selver seit 1963 lehrte.  Auch die Esalen-Massage beruht auf dem Arbeitsansatz von Charlotte Selver. Zahlreiche bekannte Persönlichkeiten wie z.B. Erich Fromm (Arzt und Psychoanalytiker), Alan Watts (amerikanischer Religions-Philosoph) und Daisetz Teitaro Suzuki (Zen-Buddhismus), Karl Rogers (Arzt, Begründer der Gesprächspsychotherapie), Ida Rolf (Rolfing®) und Moshe Feldenkrais (Arzt, Begründer von Feldenkrais®), Fritz Perls (Gestalttherapie)  und Erich Fromm (Arzt, Psychoanalytiker) gerhörten zu ihren Schülern.
Die 1971 wurde die Stiftung "Sensory Awarerness Foundation" begründet, deren Aufgabe die Erhaltung und Dokumentation des Lebenswerks von Charlotte Selver ist.
1995 erhielt Charlotte Selver die Ehrendoktorwürde des «California Institute of Integral Studies» in San Francisco.
Seymour Carter (27.07.1939-31.10.2012)
"Seymour Carter, long-time Sensory Awareness leader, acting president of the Sensory Awareness Leaders Guild, and so much more, died suddenly in Chernovcy, Ukraine. He was on a teaching tour in Europe" (Stefan Laeng-Gilliat).
Literatur:
- William C. Littlewood, Mary Alice Roche: Waking Up: The Work of Charlotte Selver.
  Autor House, Bloomington. 2004,ISBN 1418493759
- Charlotte Selver: Every moment is a moment In: Deutsches Yoga-Forum, 3/2005
- Sensory Awareness - zur Arbeitsweise von Charlotte Selver, In: Feldenkrais Forum, 4/2005
- The Early Roots of Sensory Awareness. Richard Lowe. Sensory Awareness Newsletter, Spring 2011.
 
Charles Brooks (1906-1991)
stammte aus einer Familie, in der Literatur eine grosse Rolle spielte. Sein Vater ist der Autor einer Biographie über das Leben von Helen Keller. Charles war gelernter Zimmermann und übte dieses Handwerk auch aus. Er hatte sich intensiv für die Arbeit von Wilhelm Reich interessiert bevor er durch einen Freund zu den Kursen von Charlotte Selver fand. Er war davon so beeindruckt,dass er ihr Schüler wurde, und später allein, und mit Charlotte gemeinsam, zahlreiche Workshops, Seminare und Study Groups durchführte.1963 heirateten sie. In seinem Buch "Sensory Awareness - the Rediscovery of Experiency" beschrieb er die Arbeit zusammen mit Charlotte Selver.
 
Literatur:
- Brooks, Charles: "Erleben durch die Sinne". DtV, München 1991,
  ISBN 3-423-15085-8.
  (englischer Origninaltitel: Sensory Awareness- the Rediscovery of Experiency)